Niccolò Machiavelli: Discorsi Gedanken über Politik und Staatsführung

Politische Philosophie
Wohl kaum ein Philosoph der europäischen Geistesgeschichte genießt einen derart schlechten Ruf wie Niccolò Machiavelli, der vermutlich mit großem Abstand bekannteste Denker der italienischen Renaissance. Er lehrte, dass Politiker bereit sein müssen, unmoralisch zu handeln, um ihre Ziele zu erreichen. Noch im 21. Jahrhundert steht sein Name stellvertretend für staatsmännischen Opportunismus und politische Prinzipienlosigkeit, für Verschlagenheit und Heuchelei, kurzum: Für einen Zynismus, der sich bewusst über jede Form von Sittlichkeit erhebt. Der Namensgeber dieses „Machiavellismus“ wird als sarkastischer Kommentator der prekären Verhältnisse im Italien des Cinquecento betrachtet, als ein „Unphilosoph“, der nach verbreiteter Ansicht nichts anderes getan hat, als die Macht um der Macht willen zu predigen.

Aber wie berechtigt ist dieses Bild Niccolò Machiavellis? Sollte es uns nicht misstrauisch machen, dass der Urheber dieser vermeidlich banalen Lehre nicht allein unter politischen Praktikern, sondern auch unter Philosophen auch nach Jahrhunderten noch Bewunderer findet und als einer der größten Staatstheoretiker betrachtet wird, die je gelebt haben? Hat Machiavelli seinen schlechten Leumund wirklich verdient? Vermutlich werden diese Fragen deswegen so selten gestellt, weil man sich bei der Bewertung Machiavellis ausschließlich auf seine landläufig als skandalös empfundene Abhandlung „Il Principe“ verlässt, einen Leitfaden effektiven, politischen Handelns in früh-absolutistischen Machtstaaten. Die „Discorsi“, das ideenreiche Hauptwerk dieses Philosophen, finden dahingegen außerhalb der Fachkreise nur wenig Beachtung: Machiavellis politisches Denken lebt von der Erkenntnis, dass sich die Menschen einem systematischen Lernen aus der Geschichte bislang verweigert haben. Ihr staatsmännisches Handeln - und damit auch die Art und Weise, wie politische Institutionen eingerichtet wurden - war vom Zufall geprägt, von „Gefühl, Instinkt, Gewohnheit und Laune“ sowie von konventionellen Moralvorstellungen, die das Urteil der Machthaber immer aufs Neue getrübt haben und nach Überzeugung des Philosophen das Ihrige zum allgemeinen Chaos beitrugen. Von seinen Reflexionen über die Geschichte der Römischen Republik ausgehend, entwirft er im Hinblick auf Staaten, „in denen das Volk Fürst ist“, so etwas wie eine politische Theorie der historischen Erfahrung. Dabei beschäftigt sich Machiavelli mit einer Reihe von Problemen, die auch für uns Heutige von großer Relevanz sind: Bedarf es in einer Republik einer besonderen Form individueller Bürgertugend? Welcher Gestalt muss die Gleichheit der Bürger sein? Wodurch wird ein solches Gemeinwesen bedroht? Und, vielleicht die wichtigste Frage: Welche Qualitäten müssen die Machthaber solcher Staaten haben?

Wie auch immer man den Begriff der „Freiheit“ in den Discorsi auslegen mag, was auch immer man von dem konsequenten Relativismus halten möchte, der sich aus Machiavellis historisch-philosophischen Studien ergibt, worin auch immer man den Zusammenhang zwischen Principe und Discorsi sehen will - es lässt sich sagen, dass dieser Denker die republikanischen Geistestraditionen des „Bürgerhumanismus“ (Hans Baron) nicht nur parodiert, sondern auf eine sehr originelle und ungewöhnliche Weise weiterentwickelt hat. Machiavellis Einfluss auf die Entstehung der demokratischen Kultur Europas sollte keineswegs unterschätzt werden.




Zur Lektüre und gemeinsamen Diskussion empfohlen wird die Ausgabe der „Discorsi“ im Kröner Verlag (ISBN 978-3-520-37703-6).

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