David Hume: Traktat über die menschliche

Buch I
Heutigen Tages ist David Hume als der vielleicht bedeutendste, reichhaltigste und tiefste Denker englischer Sprache bekannt, in jedem Falle als einer der größten Aufklärer der europäischen Geistestradition. Sein Werk, so hat es Raoul Richter Anfang des 20. Jahrhunderts in seiner Geschichte skeptischen Denkens ausgedrückt, sei „von glatter Oberfläche und ungeahnter Tiefe“. Humes Ideen scheinen auf den ersten Blick klar zu sein, aber hat man sich einmal auf sie eingelassen, gerät man in einen regelrechten Strudel des Zweifelns...

Eben deswegen hat man lange Zeit angenommen, Hume geschichtliche Leistung sei rein negativ - sie bestehe in nichts weiter als in einem großen Zerstörungswerk. In seinem Jugendwerk, dem Traktat über die menschliche Natur von 1739/40, greift Hume das an, was in der europäischen Geistestradition als „Metaphysik“ bekannt ist: Das Nachdenken über die wahren Strukturen der Wirklichkeit, wozu klassischerweise die „letzten Fragen“ menschlichen Daseins gerechnet wurden, die Unsterblichkeit der Seele etwa oder die Freiheit des menschlichen Willens. Vorausgesetzt wurde bei dieser Art von Philosophie, die menschliche Vernunft sei der absoluten Wahrheit fähig. Aber genau dieser Glaube wird von Hume scharf attackiert: Wirklich wissen tun wir eigentlich nichts, denn alles, was wir von der Welt sagen können, beruht auf Erfahrungen unsererseits, die sich nicht verabsolutieren lassen. Sogar unsere selbstverständlichsten Überzeugungen, etwa Kausalität oder die Annahme eines einheitlichen Selbstbewusstseins, beruhen auf nichts anderem als auf Denkoperationen unsererseits. Sie sagen nichts - rein gar nichts! - über die Frage aus, wie die Welt „an sich“ beschaffen ist.

Hume selbst begriff sich keineswegs als bloßen Zerstörer. Seine Antwort auf das Problem eines universellen Zweifels wäre stark verkürzt vermutlich diese gewesen: Nur, weil wir nichts über die Wirklichkeit sagen können, heißt das noch nicht, dass wir auf die Wissenschaft verzichten müssen. Wir nehmen deren Lehren allerdings nur an, weil sie sich in der Erfahrung bewährt haben und müssen jederzeit bereit sein, ihre Ergebnisse zur Disposition zu stellen. Nicht die Realität, sondern unser eigenes Handeln - genauer: Die Erfüllung oder Nicht-Erfüllung unserer praktischen Erwartungen - ist die Richtschnur für Richtig und Falsch, Wahr und Unwahr in den Wissenschaften. In einem solchen System des Wissens muss auch die Rolle der Philosophie neu definiert werden. Sie trägt nun nicht mehr den eitlen Namen einer „Königin der Wissenschaften“, sondern sie wird zu einer „Science of Man“, einer universellen Sozialwissenschaft, die empirische Erklärungsmuster für unser Fühlen, Denken und Handeln aus unterschiedlichsten Forschungsbereichen zusammenträgt. Es daher kein Wunder, dass Humes Philosophie mit abstrakten erkenntnistheoretischen Fragen sozusagen beginnt, um bei einer Theorie politischen und ökonomischen Handelns zu enden. Sein skeptisches Philosophieren verfolgt eine doppelte Intention: Nicht allein den alten Ansprüchen von Metaphysik und den dadurch gerechtfertigten Lehrsätzen Religion wird widersprochen. Die Wissenschaft selbst wird auf den Prüfstand gestellt, und dem naiven Fortschrittsglauben der europäischen Aufklärung wird eine deutliche Absage erteilt. Das Fallenlassen traditioneller Weltanschauungsmuster, so könnte man es in der Sprache des 21. Jahrhunderts überspitzt ausdrücken, berechtigt uns nicht dazu, in Form dessen, was wir für wissenschaftlich halten, eine neue „Religion“ anzunehmen.

Bei unserer gemeinsamen Lektüre wollen wir uns zunächst die absoluten Grundlagen der humeschen Philosophie erarbeiten: So etwa mit seine Gedanken rund um Glauben und Für-Wahr-Halten, seine Philosophie von Raum und Zeit, seine Kausalitätskritik sowie seiner Auffassung davon, was wir eigentlich damit meinen, wenn wir zu uns selbst „Ich“ sagen. Die Frage, ob Tiere Vernunft haben sowie die „Unkörperlichkeit der Seele“ sind ebenfalls Gegenstand unserer gemeinsamen Lektüre. Welche Stärken, welche Schwächen hat Humes Ansatz? Es gilt sein selbstgewähltes Credo: „Sei nüchtern und vergiss nicht, skeptisch zu sein!“ Zur gemeinsamen Lektüre empfohlen wird die von Wolfgang Sohst herausgegebene vollständige Ausgabe des Traktates im xenomoi-Verlag, aber auch andere Ausgaben sind geeignet.




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