Über Glück und Gerechtigkeit

Platons „Politeia“
Was ist Gerechtigkeit? Diese Frage stellt Sokrates vor einer illustren Nachmittagsgesellschaft wohlhabender Athener. Was sich an diese harmlos erscheinende Erkundigung anschließt, ist der wohl wichtigste und brillanteste, zugleich aber auch umstrittenste Dialog Platons, das vermutlich wirkmächtigste Werk der abendländischen Philosophie. Die „Politeia“ ist eine Art fiktives Gesprächsprotokoll, das die entscheidenden Fragen des europäischen Denkens – keineswegs nur politische Probleme – vorwegnimmt. Dem platonischen Sokrates geht es darum, das Wesen der Gerechtigkeit zu bestimmen. Er fasst diesen Wert als individuelle Charaktertugend auf, zugleich als entscheidendes politisches Ideal, das in einer staatlichen Gemeinschaft vorherrschen soll. Fragen des gelingenden Lebens und der guten Verfassung greifen in seinem Denken auf selbstverständliche Weise ineinander. Seele und Staat treten in eine enge Analogiebeziehung. Die literarische Figur des Sokrates, quecksilbrig und ironisch, formt eine Doktrin aus, die Tugendethik und politische Utopie in einem ist, zugleich Metaphysik, Theorie des Wissens und der Erkenntnis, Ästhetik, Bildungslehre und Religionsphilosophie.

Die Urteile, die Platons Leser über dieses Werk gefällt haben, könnten kaum unterschiedlicher sein: Während die einen in der Politeia die erste wirklich systematisch angelegte politische Theorie sehen, einen großartigen Versuch, gerechtes Handeln und glückliches Leben miteinander zu harmonisieren, die Gründungsurkunde des universalistischen Naturrechts, ja sogar ein frühes Plädoyer für die Gleichberechtigung der Frau, betrachten sie andere als ein zutiefst totalitäres politisches Programm. Der platonische Utopismus, so heißt es immer wieder, konstruiere das Ideal eines meritokratischen Ständestaates, der offen anti-demokratisch eingestellt sei. An die Stelle einer archaischen Aristokratie lasse Platon den esoterischen Elitarismus der Weisen, der sogenannten „Philosophenkönige“ treten, durch den er breite Bevölkerungsteile von der politischen Entscheidungsfindung ausschließe. Seine Gedanken um Enteignung, Euthanasie und „Menschenzucht“ ergänzen dieses negative Bild zusätzlich.

Brillanter Entwurf eines gerechten Staates oder Wasser auf die Mühlen der Anti-Demokraten? Seit mehr als zweitausend Jahren lässt die Politeia ihre Leserschaft nicht kalt. Viele der Probleme, die Platon hier behandelt, sind von ungebrochener Aktualität. Zur Lektüre und gemeinsamen Diskussion empfohlen werden die Politeia-Ausgaben im Reclam- oder Felix-Meiner-Verlag.





Zur Lektüre und gemeinsamen Diskussion empfohlen werden die Politeia-Ausgaben im Reclam- oder Felix-Meiner-Verlag.

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